HILFSMITTEL (PROPS) UND IHRE BEDEUTUNG IM YOGA

B.K.S. IYENGAR führte nicht nur die Yogamatte ein, sondern entwickelte auch eine Vielzahl an Hilfsmitteln (Props) wie Blöcke, Gurte, Rückbeuger, Bolter, etc. um die Yogapraxis zu erleichtern, zu bereichern und zu vertiefen. So ist Yoga für jeden zugänglich und erfahrbar, da individuell unterstützt und herangeführt werden kann. 

Wir nutzen Hilfsmittel, um uns zu verlängern, eine aufrechte Haltung einnehmen zu können, zu vertiefen und eine Anpassung an die jeweiligen anatomischen Voraussetzungen vorzunehmen, um Verletzungen zu vermeiden. Steife Hüften, unbewegliche Schultern, kürzere Arme oder Beine finden Ausgleich durch den Einsatz von diversen Props. 

Neben dieser hilfsreichen Unterstützung für Ältere, Yoganeulinge oder auch SchülerInnenn, die auf Grund körperlicher Voraussetzungen oder Beeinträchtigungen des Einsatzes an Hilfsmitteln bedürfen, erfahren auch Fortgeschrittene Yogis/inis ein tieferes Erlebnis der Asanas. Die Props werden fließend in Bewegungsabfolgen (Sequenzen) integriert um dem Körper die bestmögliche Ausrichtung (Alignment) und vertiefenden Dehnung (Faszien) zu ermöglichen. 


Das sicherlich allen bekannte meist genutzte Hilfsmittel ist sicherlich die Yogamatte. Sie bietet uns festen Halt und Standfestigkeit auf unterschiedlichen Böden, wir rutschen nicht und schonen die Gelenke. Außerdem gibt sei eine gute Referenz für unsere korrekte Ausrichtung z.B. in den Stehhaltungen. 

Während der Meditation oder der Durchführung eines Pranayama setzen wir uns auf Decken um eine aufrechte Sitzposition zu ermöglichen und zu erleichtern, oder wir nutzen sie auch zur Unterfütterung der Knie oder Hüften, zur Vorbeugung oder Minimierung von Schmerzen in den Gelenken um beispielsweise Asanas auf den Knien auszuführen. Die Decke kann den Brustkorb im Liegen weiten oder stützt den Kopf als Kissen. Im Schulterstand bringt sie Stabilisation für Schultern und den Nacken. 

Die Blöcke (Klötze) meist aus Holz oder Kork, werden in fast jeder Yogastunde genutzt. Sie bieten nicht nur Erhöhung im Sitzen, sondern verlängern auch die Arme in den stehenden Vorbeugen und ermöglichen gedrehte Haltungen sowie Rückbeugen. Es ist leichter das Gleichgewicht zu halten und den Rücken zu verlängern, z.B. in Trikonasana dem gestrechten Dreieck. Es können bestimmte Muskelgruppen bewusst aktiviert werden: der Block befindet zur besseren Wahrnehmen für die Aufrichtung in Tadasana zwischen den Oberschenkel oder für eine aktive Streckung der Arme zwischen den Handfersen. 

Der Gurt ist vielseitig einsetzbar und somit ein Basic-Prop. Er dient unter anderem der Verlängerung der Arme und Beine in gebundenen Haltungen, sitzenden Vorbeugen und Drehungen sowie in liegenden oder stehenden Asansas zur Dehnung der Beinrückseiten (Hamstrings) und öffnen der Hüften. Beim Schulterstand (Sarvangasana) nutzen wir den Gurt zum Binden der Oberarme für das Alignment der Schultern, bei Supta Padangustasana (Hand-zur-Fuss-Haltung) zur Streckung des Beins. 

Regenerative (Restorative wie auch Yin Asanas) begleiten wir oft mit dem Bolster um in der Rückenlage den Brustkorb zu öffnen oder den Kopf abzulegen z.b. im nach unten schauenden Hund (Adho Mukha Svanasana). Zur Entlastung des unteren Rücken wird ein Bolster in der Rückenlage unter die Kniekehlen gelegt. 
Der Yogastuhl dient der Ausfürhung des regenerativen Schulterstandes oder der Rückwärtsbeugen. Er eignet sich aber auch hervorragenden zum Unterstützen und Vertiefen fast aller Asanas. Für ältere ermöglicht er als Sitzhilfe die Asanas adaptiert zu üben, selbst der Sonnengruss lässt sich auf und mit dem Stuhl üben. 

Die angeschrägte Planke bietet wunderbare Unterstützung für die Arbeit und Aktivierung der Fersen und bringt  Entlastung der Handgelenke in Stützpostitionen und Umkehrhaltung wie Handstand (Adho Mukha Vrikshasana).

Des weiteren setzten die Yogis gerne den Viertelblock auch Rundholz genannt aus Holz oder Kork ein, ebenfalls mit dem Ziel, zu stabilisieren. In Stehhaltungen wie dem gestreckten Dreieck (Utthita Trikonasana) oder dem gestreckten seitlichen Winkel (Parsvakonasana) können das Fußgewölbe oder die Ferse unterstützt werden, damit das Becken korrekt ausgerichtet ist. Die Achillessehne und die Wadenmuskeln werden ebenfalls gekräftigt und gedehnt.  

Der Rückbeuger auch bekannt als backbender erleichtern die passiven Rückbeugen. Das passive, unterstützte Üben ist eine Wohltat bei Rückenschmerzen und Versteifungen vor allem im oberen Rücken können gelindert werden. Faszien und tiefer liegende Muskeln entspannen sich, der Rücken wird allgemein beweglicher. Wir setzten diese Hilfsmittel also zum regenerativen Üben ein sowie auch zur Vorbereitung auf die aktiven Rückwärtsstreckungen. 

Der Halsanahocker ist nicht nur ein schönes Mobiliar, sondern erlaubt das unterstützte Verweilen im regenerativen Pflug (Halasana). Die Halasanahocker haben wir in unterschiedlichen Grössen für ein unterstütztes individuelles Üben welches zusätzlich durch z.B. Decken, Bolster, Blöcke noch individueller angepasst werden kann auf die perfekte Höhe sodass im unterstützten Halasana die Oberschenkel ruhen können und der untere Rücken entspannt. Zudem findet der Halasanahocker auch Anwendung bei Sitz- und Drehhaltungen wie auch bei Vorwärtsstreckungen. 

Stiram Sukha asanam - im Üben gilt es, die richtige Balance zu finden, Stabilität und Leichtigkeit zu vereinen. Um uns also frei und leicht bewegen zu können, brauchen wir festen und stabilien Halt. Neben dem Boden, auf dem wir stehen, bietet sich natürlich die Wand als eines der einfachsten und effektivsten Hilfsmittel an und findet selbstredend regelmässige Anwendung in unserer Übungspraxis und in unseren Yogaklassen. Sie bietet beispielsweise eine hilfreiche Stütze für Kopf- und Handstand, aber auch, um die Beine bei Umkehrhaltungen an der Wand entlang z.B. Halbe Kezse (Viparita Karani) nach oben zu entlasten. Das Üben mit der Wand ermöglicht eine exaktere Ausrichtung, gibt sie doch eine absolute spürbare Resonanz in den Asanas und fördert eine enorme Stabilität und bietet Wiederstand den wir nutzen um kraftvoller zu üben. So kann in manchen Asanas das Becken nicht ausweichen, die Aufrichtung der Wirbeläsule wird klarer und sie bringt  Entlastung für Übende mit Gelenksbeschwerden und Rückenproblemen. Während der Periode und in der Schwangerschaft ermöglicht die Wand ein sicheres Üben und ist unabdingbar als Hilfsmittel in dieser Zeit. 

Wandseile sogenannte Ropes auch Kurunta genannt sind eine Besonderheit und werden fast ausschliesslich nur im Iyengary®Yoga praktiziert. Hier sind Kenntnisse und Fähigkeit der Unterichtenden absolut notwendig. Sie ermöglichen in den Asanas eine sehr präzise Körperausrichtung bei gleichzeitiger deutlicher Unterstützung der Dehnungen tief in die Haltungen hinein. In verschiedenen Konzepten und Anbringungen an der Wand und Decke erlauben sie, so gut wie jedes Ansana aktiv und passiv auszuüben. Sei es und das klassische Wandseil, die Gurtbandschlinge (Pelvicsling) oder die Yoga Wall mit ihren unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten. Das Üben mit Wandseilen unterstützt, hilft, vertieft, präzisiert und lehrt.  Nicht zuletzt nutzen wir das Aushängen kopfüber zur Beruhigung und Entspannung der Nerven der Wirbelsäule. Dieses gesicherte aber dennoch freie Hängen mit den Wandseilen ermöglicht auch all jenen Übenden die mit Umkehrhaltungen (Inversion) wie dem Kopfstand weniger vertraut oder eher abgeneigt sind, die wunderbare Wirkung zu spüren und vollkommen entspannt zu geniessen, selbst für Problembereiche wie Halswirbelsäule, Nacken, Schultern, etc. bringt dieses Entlastung für diese Bereiche und besonders für die inneren Organe. Zudem zeigt die dadurch geänderte Sichtweise die Betrachtungweise. 

Den wunderbaren Eindruck der Schwerelosigkeit und Leichtigkeit ähnlich den Wandseilen vermittelt das Aerial Tuch, das an der Decke oder an einem Balken befestigt wird. Dank der Breite von ca. 280 cm und einer Mindestlänge von ca. 300 cm, ist es möglich, sich ganz hineinzulegen, um z.B. in Shavasana liegend über dem Boden von der Decken hängend zu schweben. Das Aerial Yogatuch hält dich bei Dehnungen und Twist. Du gibst dein Körpergewicht ab und lässt immer mehr los, während du mehr Vertrauen gewinnst. Während des Übens legen wir einzelne Körperteile oder den ganzen Körper im Tuch ab, einige Asanas machen wir über Kopf hängend. Wir überlassen uns dem Schaukeln und Schwingen des Tuches, sodass du deinen Körper neu wahrnimmst. 

Nicht zuletzt sei als Hilfsmittel noch das Pune Pferd genannt, welches zum individuellen Üben und auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Es kann vielseitig genutzt werden für die Rückenausstreckung, unterstützte Stehhaltungen, Rückwärtsbeugen um nur einige Beispiele zu nennen. Insbesondere eignet sich das Üben mit dem Pune Pferd für Schwangere, während der Rekonvaleszenz nach Erkrankungen, bei Gleichgewichtsstörungen, Rücken- oder Kniebeschwerden... und selbstverständlich auch um die Ausrichtung der Asanas tiefer zu durchdringen und zu verstehen und Freude am entspannen und differenzierten Üben zu entwicklen. 


Gleich mehre Hilfsmittel können parallel zum Einsatz kommen. Die korrekte und effektive Anwendung all dieser Props bedarf der Kenntnis und Fähigkeit einer/eines gut ausgebildeten YogaleherIn und befähigt sie/ihn individuell auf den einzelnen SchülerIn selbst in grossen Yogaklassen ohne viel Aufwand die Übungen anzupassen für den grösstmöglichen Benefit mit dem der Yoga uns bereichern kann, erfahrbar und erlebar zu machen und somit eine Einheit zwischen Körper, Geist und Seele zu schaffen. 


Wir zeigen den Einsatz dieser unterschiedlichen Hilfsmittel an verschiedenen Asanas. 


Janu Shirsana (Kopf-zur-Knie-Stellung), eine sitzende Vorbeuge mit und ohne Gurt zu üben hier





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